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Gastvortrag Sven Klaus Starke

B|Orders in Motion: Industriedynamik macht vor Grenzen nicht halt

Conergy Geschäftsführer Sven Klaus Starke zu Gast an der Viadrina

Der Geschäftsführer der Frankfurter Niederlassung der Conergy AG gab sich an der Europa-Universität Viadrina die Ehre und dozierte im Rahmen der Veranstaltung Angewandte Wirtschaftstheorie von Viadrina-Professor Georg Stadtmann über die Lage in der Fotovoltaik-Industrie. Er gab Einblicke in den enormen Kostendruck innerhalb der Branche, der durch einen erheblichen Preisverfall ausgelöst wurde: „Wenn die Preise für fertige Module im Jahr 2011 um mehr als 40 % fallen, kann man das nicht durch einen Produktivitätsfortschritt auffangen. Dann muss in einem größeren Rahmen konsolidiert werden“, erläutert er die Wettbewerbssituation in der Branche und die Auswirkungen auf sein Unternehmen. Doch was ist wiederum die Ursache des enormen Preisverfalls? Starke macht hierfür erhebliche Überkapazitäten am Markt aus: Und ist das Angebot größer als die Nachfrage, dann sinkt der Preis!

„Ein interessanter Aspekt besteht darin, dass typische Verläufe in nahezu jedem Lebenszyklus einer Industrie existieren, die sich immer wiederholen“ resümiert Stadtmann am Ende der Veranstaltung in einem kurzen Fazit. So nimmt beispielsweise die Wertschöpfungstiefe immer dann ab, wenn sich in einer reiferen Marktphase spezialisierte Zulieferer am Markt etabliert haben. Ein Unternehmen, welches relativ stark integriert ist, muss sich dann von Teilen der Wertschöpfungskette wieder verabschieden. So stellte beispielsweise Conergy am Standort Frankfurt (Oder) die Blocking-, Bricking- und Wafering-Prozesse ein und kauft diese Vorprodukte nun direkt am Markt.

Auch die Technologiewahl entscheidet sehr stark über den Unternehmenserfolg: Während beispielsweise das Unternehmen First Solar auf eine Dünnschichttechnologie setzte, konzentrierte sich Conergy auf eine auf Silizium basierende Technologie (kristalline Silizium-Halbleiter). Als dann mit dem monokristallinen Herstellungsprozess (unter Vakuumbedingungen produziert, sehr reine, hochwertige Siliziumplatten) eine Prozessinnovation auftrat, die erhebliche Vorteile aufwies, konnte oder wollte First Solar auf diesen neuen Zug nicht mehr aufspringen.

Ein Shakeout, d. h. eine hohe Anzahl an Marktaustritten von Unternehmen in Form von Insolvenzen oder Übernahmen ist ebenfalls typisch für den Industrielebenszyklus: Dieses Unternehmenssterben kann man in der Regel nicht auf einen Einbruch bei der Nachfrage zurückführen. Auch in der Solarindustrie steigt die Nachfrage noch stark an. Vielmehr sind es Phänomene wie die Etablierung eines dominanten Designs oder einer radikalen Innovation, welche den Shakeout auslösen.

Auf die Rolle Chinas angesprochen referierte Starke, dass China es verstanden habe, mit einem starken Commitment im Rahmen des neuen 5-Jahres-Plans und Deep Pockets sich sehr gut strategisch im Markt zu positionieren (Orders in Motion!). Die Staatssubventionen geben der chinesischen Industrie in der Tat einen gewissen Vorteil. Während die USA bereits reagiert hat und mittels eines Strafzolls eine Wettbewerbsbarriere errichtet hat (Borders in Motion!), bringen sich die verschiedenen Lobbygruppen in Europa noch in Position: Die Hersteller von Fotovoltaik-Anlagen sind tendenziell für die Errichtung von Handelsschranken (siehe z. B. die Pro-Sun-Initiative). Für nachgelagerte Industrien stellen die durch Handelsbeschränkungen ausgelösten höheren Preise jedoch Gift dar. Den Rufen nach Handelsbeschränkungen will sich Starke nicht anschließen. „Freihandel ist für die exportorientierte deutsche Volkswirtschaft wichtig, auch Conergy ist international aufgestellt und muss exportieren. Vor allen Dingen deshalb, weil zukünftig die Wachstumsmärkte in den USA und Asien liegen werden.“

Starke_01_scaled_600 ©LS Makro