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Peter Bofinger 13.04.2012

Wirtschaftsweiser Peter Bofinger zu Gast an der Viadrina – Wege aus der Eurokrise

 

Wir befinden uns im Jahr 2012 n. Chr., es ist Freitagnachmittag, 16:15 Uhr, die ganze Uni ist verwaist. Die ganze Uni? Nein! Eine Schar wissbegieriger Studenten hört nicht auf, dem nahenden Wochenende Widerstand zu leisten und hat sich im Audimax versammelt. Dafür erhalten sie auch direkt zu Beginn erst einmal ein dickes Lob von ihrem Professor. Viadrina-Dozent Georg Stadtmann hat einen Kollegen aus Würzburg eingeladen, Professor Bofinger – Mitglied des Sachverständigenrats –, um über die Krise in Europa zu diskutieren. Zunächst führt Bofinger die noch jungen Studenten des zweiten Semesters in die grundsätzliche Problematik der Volkswirtschaftslehre ein: „Es geht eigentlich immer um die Frage, ob eine Krise auf ein Staats- oder auf Marktversagen zurückzuführen ist. Je nachdem, welchem (wirtschafts-)politischen Lager man angehört, fällt dann die Antwort aus.“ Anschließend analysiert Bofinger die Lage und macht zunächst ein Versagen auf Seiten der Zentralbank aus, die eine zu lockere Geldpolitik implementierte und insbesondere bei der Kreditvergabe der Banken nicht so genau hingeschaut hat. Auf diese Weise konnte erst die spekulative Blase im spanischen Immobilienmarkt entstehen, die nun Banken straucheln lässt und somit den spanischen Staatshaushalt belastet. Auch die Lage in Griechenland kann auf ein Staatsversagen zurückgeführt werden: „Die griechische Regierung hat zu viel Geld ausgegeben und gefälschte Zahlen veröffentlicht. Dies hat aber auch eigentlich niemanden so richtig interessiert, weder die Finanzmärkte, noch andere europäische Institutionen.“ So bekommen auch die Ratingagenturen ihr Fett weg, die Griechenland lange Zeit zu positiv bewertet haben.

„Was muss denn getan werden, damit der Daumen für Europa wieder nach oben zeigt?“ fragt Stadtmann seinen Kollegen Bofinger. In der kurzen Frist, so führt dieser aus,  ist es wichtig, dass die EZB weiter stabilisiert, auch ein direkter Ankauf von Staatsanleihen darf kurzfristig kein Tabu sein. Ferner sollten die Eurostaaten gemeinsam Anleihen ausgeben, damit die Zinsbelastung für die angeschlagenen Staaten nicht zu hoch wird. Ganz wichtig ist es jedoch, dass endlich der aufgelegte Sparzwang moderater gestaltet wird. In Griechenland und Spanien sind bereits 50 % der Jugendlichen und jungen Erwachsenen arbeitslos. Weitere Einschnitte verkraften diese Volkswirtschaften nicht und sind eher kontraproduktiv. Die schwäbische Hausfrau kann sparen, indem sie weniger ausgibt. Dies hat nämlich keinerlei Auswirkungen auf ihre Einnahmesituation. Beim einem Staat ist dies anders: Spart der Staat, so bricht die Wirtschaft ein, Arbeitslosigkeit entsteht. Damit sinken die Steuereinnahmen, und es steigen die Ausgaben für die Arbeitslosen. Die Anpassungsprozesse sollten zeitlich gestreckt werden!

Als Bofinger seinen Vortrag schließt, ist es bereits 17:30 Uhr. Trotzdem bleibt noch Zeit für Fragen der Studenten. Dann geht es für die Meisten auf zum Bahnhof und Richtung Berlin. Die ganze Uni ist verwaist. Wirklich die ganze Uni? Ja die ganze Uni!

 

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