Banner Viadrina

Finanzmarkt Game Over? – Quo vadis, Marktwirtschaft?

Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Georg Stadtmann und Sarah Wagenknecht, MdB


Der Einladung der Hochschulgruppe „dieLinke.SDS“ folgten am 4. Februar ca. 180 Interessierte in den Hörsaal 8 der Europa-Universität. In seinem Eröffnungstatement erläuterte Prof. Stadtmann die Ursachen der Finanzkrise am Beispiel der HypoRealEstate (HRE). Er zeigte, wie die Verlagerung vom renditeschwachen Pfandbriefgeschäft hin zum Handeln mit verbrieften Wertpapieren, die HRE zum Spielball der globalen Finanzmärkte werden ließ. Die Höhe der Bilanzsumme von einer Billion Euro aus den bilanziellen und außerbilanziellen Geschäften der Bank verdeutlicht die Notwendigkeit des staatlichen Eingriffs. Der Vergleich zum deutschen Bruttoinlandsprodukt von 2,5 Billionen im Jahr 2008 zeigt die Systemrelevanz der HRE.

In der Ursachenforschung waren sich Sarah Wagenknecht und Prof. Stadtmann weitgehend einig. Gegensätzliche Positionen bezogen sie hingegen in der Bewertung der staatlichen Rettungsaktion. Frau Wagenknecht kritisierte die Stützung der deutschen Bankwirtschaft mit 480 Mrd. Euro aus Steuergeldern scharf und forderte eine Reform des Bankwesens, welche die Finanzintermediation zur originären Staatsaufgabe machen soll. Da Spekulationen nicht im Sinne des Staates sein können, würde eine solche Finanzarchitektur keine Krisen hervorrufen.Herr Stadtmann widersprach der grundlegenden Verstaatlichung des Bankensektors. Hierbei führte er exemplarisch das schlechte Geschäftsgebaren der deutschen Landesbanken an. Er schloss aber die Verstaatlichung einer Bank als letzte Handlungsoption  keineswegs aus, wenn diese wie im Fall der HRE marktkonform durch einen „Squeeze Out“ erfolgt und hierdurch ein Ausbreiten der Krise vermieden werden kann. Die Verstaatlichung von notleidenden Banken sei außerdem notwendig, um die Steuergelder der Bankenrettung zu sichern. Dem Konzept des „Bad Banking“ erteilte er jedoch eine Absage, weil durch Informationsasymmetrie zwischen Bank und staatlicher Bad Bank nicht gesichert werden könne, dass ausschließlich toxische Papiere eingelagert werden würden, die keine Aussicht auf Kursbesserung hätten.

Es gelang den Diskutanten an diesem Abend eine sachliche und differenzierte Analyse der Finanzkrise durchzuführen, ohne in eine Debatte über den Systemwettbewerb abzudriften. Einen Höhepunkt stellte die Frage nach der Mitverantwortung des kleinen Sparers dar, der auf der Suche nach der renditeträchtigsten Anlage den Verhaltensmustern eines Investmentbankers folgt. Die Wurzel der Finanzkrise ist demnach in der menschlichen Gier nach Spekulationsgewinnen zu suchen.

Georg Stadtmann: „Das Format war richtig Klasse. Ich habe mich sehr darüber gefreut, viele Wiwi-Studenten im Publikum zu sehen. Gleichzeitig hat mich aber auch das große Interesse aus der Frankfurter Bevölkerung überrascht. Die Resonanz hat gezeigt, wie stark die Uni in der Stadt verwurzelt ist. Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Georg Stadtmann und Sarah Wagenknecht, MdB

 

f5_033a small_scaled560

 

f5_013a small_scaled560