The Effects of Stereotyping on Performance and Preferences
Lehrstuhl:
Lehrstuhl für VWL, insb. Wirtschafts- und Sozialpolitik
Projekttitel:
The Effects of Stereotyping on Performance and Preferences
Projektleitung:
Dipl. Kauffrau Norma Schmitt
Projektmitarbeiter:
Dipl. Kauffrau Norma Schmitt, Dipl. Kauffrau Claudia Vogel, Katrin Krause
Projektart: Lehrstuhlprojekt
Finanzierung: Eigenfinanzierung EUV
Projektbeginn: 01.12.2008
Projektbeschreibung in deutsch:
Geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes wird für gewöhnlich in der ökonomischen Literatur durch Diskriminierung, unterschiedliche Fähigkeiten und Präferenzen erklärt. Dieses Forschungsprojekt hingegen zeigt den Einfluss von positiven und negativen Stereotypen bei der beruflichen Selbstselektion auf.In der sozialpsychologischen Literatur gewann der sogn. “Stereotype-Threat” durch die Arbeiten von Steele u.a. (1995, 1997) erheblich an Bedeutung. Negative Stereotypen führen hierbei zu einem in der eigenen individuellen Angst begründeten Phänomen, eine intellektuelle Schwäche, die andere von Mitgliedern der eigenen sozialen Gruppe erwarten, zu bestätigen. Dadurch kommt es tatsächlich zur Beeinträchtigung der individuellen Leistungsfähigkeit. Negative Stereotype können allerdings auch die individuelle Leistung verbessern, da Aufgaben zwar langsamer jedoch auch gewissenhafter bearbeitet werden. Das resultiert nach Förster u.a. (2001, 2003) aus der durch negative Stereotype ausgelösten Konzentration auf die Vermeidung von Verlusten (Vermeidungsfokus), jedoch bei positiven Stereotypen eher auf die Annäherung an Gewinne (Annäherungsfokus). Während Kreativität von geringerer Gewissenhaftigkeit profitiert, werden analytische Fähigkeiten eher durch erhöhte Gewissenhaftigkeit unterstützt, weshalb bei analytischen Aufgaben ein negatives Stereotyp eine Leistungsverbesserung hervorruft, ein positives hingegen eine Leistungsbeeinträchtigung.
Wir zeigen mithilfe ökonomischer Experimente, dass positive und negative Geschlechterstereotype verantwortlich gemacht werden können für Genderdisparitäten hinsichtlich Leistungsfähigkeit und Präferenzen für Wettbewerbssituationen.Wir wenden dabei Elemente der Verhaltensökonomie an, indem wir das diskursive Framing in der Kommunikation von Geschlechtsstereotypen verändern.
Die Teilnehmer wurden zufällig in gemischte Gruppen geteilt und mit verschiedenen Ausprägungen von Geschlechtsstereotypen konfrontiert, die einen direkten oder indirekten Zusammenhang zwischen ihrem Geschlecht und ihrer Leistungsfähigkeit offenbaren. Ihre Leistung wurde durch die persönliche Anzahl richtig gelöster Labyrinthe gemessen und gemäß ihrer vorher getroffenen Entlohnungsentscheidung monetär vergütet. Zur Auswahl standen entweder ein sicherer, nur an die individuelle absolute Leistung knüpfender, oder ein kompetitiver, die relative individuelle Leistung in Bezug zur Leistung der Gruppe setzender, Vergütungsmechanismus.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die Leistungen von Frauen und Männern in der Kontrollgruppe nicht unterscheiden. Wenn Frauen jedoch mit einem direkten positiven Stereotyp konfrontiert werden, schneiden sie signifikant schlechter ab als in der Kontrollgruppe. Ein indirekt aktiviertes positives Stereotyp hingegen führt zu keiner Leistungsbeeinträchtigung. Bei Betrachtung der Auswirkungen auf die Präferenzen, können wir feststellen, dass sowohl ein negatives als auch positives Stereotyp bei direkter Aktivierung zu verstärktem Wettbewerbsverhalten von Frauen führt, abzulesen in einem signifikant höheren Anteil von Frauen, die die kompetitive Entlohnung wählen im Vergleich zur Kontrollgruppe und zum indirekten Framing. Männer zeigen keine signifikante Reaktion auf die Aktivierung von Stereotypen, da sie für ihre soziale Gruppe wahrscheinlich kaum relevant sind. In einem Anschlussprojekt evaluieren wir politisches Instrumentarium hinsichtlich dessen Wirkung auf die Existenz und den Erhalt von Geschlechtsstereotypen, um Handlungsoptionen für die Politik zu entwickeln, die persistenten geschlechtssegregierenden Prozesse am Arbeitsmarkt und im Wissenschaftssystem zu beseitigen.
Projektbeschreibung in englisch:
Discrimination, differences in ability and preferences are standard economic explanations for occupational gender segregation in the labor market. Our analysis focuses on the role of positive and negative stereotypes in determining occupational self-selection. A “stereotype threat” refers to the potential risk of confirming assumed third party expectations of underperformance, so that affected individuals suffer intellectual performance reduction. Otherwise, negatively stereotyped individuals may try to avoid errors and become more accurately, whereas positively stereotyped individuals focus on approaching the proposed gains and become more rapid. Because of those psychological mechanisms, positive stereotypes lead to underperformance, whereas negative stereotypes determine a better performance. Using experimental methods, we can show that positively and negatively assigned stereotypes cause gender differences in performance and preferences for competition.
Participants were randomly assigned to mixed groups with different levels of stereotypes, requested to choose between a noncompetitive or a competitive compensation scheme prior to performing two rounds of solving mazes.
Females being targeted by a positive stereotype underperform relatively to the baseline. When females are nontargets, so indirectly but also positvely primed with stereotypes, no performance reduction is to recognize.
If females are either positively or negatively but directly stereotyped a significant higher proportion of them choose the competitive payment scheme, compared to almost the same proportion as in the baseline in case of being indirectly stereotyped. In contrast, men choose less frequently the competitive compensation scheme, only if a negative stereotype is directly activated. But notably, if being untreated women choose more likely the competitive compensation scheme than men in the second round.

